Meine Gesamteinschätzung
Die Alte Papierfabrik ist Wuppertals Industrielocation, und sie meint das ernst: denkmalgeschütztes Fabrikgebäude an der Friedrich-Ebert-Straße, über 125 Jahre alt, frueher Elberfelder Papierfabrik. Backstein, hohe Räume, viel Platz. Je nach Zuschnitt finden hier 20 bis 350 Personen Platz, und das ist die große Stärke: Kaum eine andere Location in Wuppertal deckt beide Enden ab. Die Stadt führt das Haus als Ambiente-Trauort, ihr könnt euch also vor Ort trauen lassen und danach bleiben, wo ihr seid. Fotografisch ist das eine Location für drinnen. Wer die großen Paarbilder will, plant dafür einen Ausflug ein, dazu unten mehr.

Das Licht draußen
Hier bin ich ehrlich: Draußen ist die Papierfabrik schwach. Das Gebäude liegt direkt an der Straße, davor der Parkplatz. Für Paarbilder muss man sich wegbewegen. Es gibt einen Innenhof in der Gebäudemitte, eine Art Raucherbereich. Er ist geräumig, aber ringsum steht überall Gebäude. Das heißt fotografisch: kaum direktes Licht, dafür gleichmäßiges Schattenlicht den ganzen Tag über. Für schnelle Bilder zwischendurch geht das, eine Kulisse für die großen Paarbilder ist es nicht. Dazu kommt die Bebauung ringsum. Die Sonne verschwindet abends früher hinter den Häusern, als der Kalender sagt, und je nach Jahreszeit erwischt man die goldene Stunde am Haus gar nicht mehr. Mein Rat: Plant für das Paarshooting eine kurze Fahrt ein, raus aus der Bebauung, dort dann mit Gegenlicht. Zwanzig Minuten Fahrt bringen mehr als zwei Stunden Suchen vor der Tür. Welche Spots sich in Wuppertal dafür eignen, bespreche ich mit euch vorher.
Das Licht drinnen
Drinnen liegt das Kapital dieser Location, wenn man weiß, wie man damit umgeht. Die Räume sind groß und weitläufig, und genau dadurch finden sich überall interessante Lichtspots: einzelne Lampen, Fenster, Lichtquellen vor dunklem Hintergrund. Besonders an der Bar entstehen Bilder, die ich anderswo nicht bekomme. Bei offener Blende, ich arbeite dort bis 1.4, zeichnen sich die Lichtpunkte im Hintergrund zu weichem Bokeh. Das ist der Grund, warum eine Industriehalle fotografisch mehr hergibt als ein hell gestrichener Saal. Das Gegenstück: Es ist dunkel. Wer hier ohne Plan hineingeht, bekommt verrauschte Bilder oder muss den Blitz stumpf nach vorn halten. Ich bringe Licht mit und setze es gezielt, bei größeren Feiern mit einem Assistenten, der es hält oder positioniert.
Die beste Tageszeit
Bei Alex und Oli lag die Trauung am 20. August um 15:19 Uhr, das Paarshooting zwischen 19:46 und 20:29 Uhr, Sonnenuntergang war um 20:45 Uhr.
Die Rechnung geht hier anders als sonst: Weil die Sonne hinter der Bebauung früher verschwindet, ist die nutzbare Zeit kürzer als der Sonnenstand vermuten lässt. Rechnet lieber eine halbe Stunde mehr Puffer ein, gerade wenn ihr für das Shooting noch fahren wollt.
Wenn es regnet
Bei Regen ist die Papierfabrik besser aufgestellt als fast jede andere Location, die ich kenne. Das Haus ist groß genug, dass man drinnen arbeiten kann, ohne dass es nach Notlösung aussieht. Der Eingangsbereich mit seiner langen Flucht ist die naheliegendste Kulisse. Er funktioniert, aber er ist dunkel: Ohne mitgebrachtes Licht wird daraus nichts Gutes. Genau dafür habe ich es dabei. Dazu kommen die Bar und die übrigen Bereiche auf dem Gelände, Bowling und Kegelbahn gehören dazu. Ob ihr sie nutzen dürft, klärt bitte vorher mit dem Haus, das ist keine Selbstverständlichkeit. Wenn es geht, habt ihr bei Dauerregen mehr Möglichkeiten als an jedem Schönwettertag im Park.
Darauf würde ich achten
Drei Punkte für eure Planung. Erstens das Licht drinnen. Es ist schön, aber es ist wenig. Fragt euren Fotografen, wie er damit umgeht, und ob er Licht mitbringt. Das ist keine Kleinigkeit, sondern der Unterschied zwischen Bildern, die nach Abend aussehen, und Bildern, die nach Dunkelheit aussehen. Zweitens die Außenkulisse. Straße und Parkplatz sind kein Hintergrund. Wenn ihr Paarbilder in der Natur wollt, gehört eine Fahrt in den Ablauf, und die braucht Zeit. Drittens das Gelände. Es wird gemischt genutzt, neben der Eventlocation gibt es Sport- und Freizeitangebote. Sprecht vorher ab, welche Bereiche an eurem Tag euch gehören und wo zur selben Zeit anderer Betrieb läuft.
Buchung und Praktisches
Das Haus wird von TOMA Events betrieben, Catering läuft über die eigene Küche, Menüs oder Buffets nach Absprache. Die Stadt Wuppertal führt die Alte Papierfabrik als Ambiente-Trauort. Dafür gilt dieselbe Reihenfolge wie bei allen Ambiente-Trauungen in Wuppertal: zuerst den Termin beim Betreiber reservieren, dann beim Standesamt anfragen, frühestens 196 Tage vor dem Wunschtermin. Ohne reservierten Ort nimmt das Standesamt die Anfrage nicht an. Der Trauort ist barrierefrei erreichbar. Geparkt wird direkt vor der Tür, das ist in dieser Lage ein echter Vorteil.

























